Philipps Diesel


Philipps Diesel

Audi 100 L 5D

Das ist mein zweites Auto neben dem Formel E, ein 1980er Audi 100 L 5D. Weil mir das jetzt zu blöd ist, wieder aus der Beobachterperspektive zu schreiben, kommt jetzt zum ersten Mal die Ich-Form dran ;-)

Der Diesel (1971 ccm, 70 PS) hatte 2 Vorbesitzer. Der erste (Jahrgang 1938) ließ ihn am 08.08.1980 zu und am 03.04.1984 wurde er auf einen Rentner (Jahrgang 1920) umgeschrieben. Schon etwas merkwürdig, so eine Historie. Farbe ist diamantsilbermetallic, Innenraum azurblau.

Zwischenzeitlich wurden ein OXI-Kat und ein Webasto-Glasschiebedach (beides 1986) nachgerüstet, der Motor 1990 mit ca. 175000 km gegen einen neuen ausgetauscht, ein Motorvorwärmsatz einbebaut (ca. 1990) und der Tacho mindestens 1x gewechselt.


Der 2. Besitzer, mittlerweile in den 80ern, gab das Auto an eine kleine Werkstatt in Runkel ab. Wahrscheinlich wollte er ihn nochmal von dieser Werkstatt, die ihn schließlich bei Ebay reinstellte, TÜV-fertig machen. Aber aufgrund der defekten Bremsleitungen und einiger Rostschäden hätte er wohl keinen TÜV mehr bekommen.Das war am 26.04.2004.

Knapp 1 1/2 Jahre später, im Juli 2005, schaute ich scherzhalber bei Ebay nach einem passende Ersatzteilspender für meinen Formel E, als mir dieser Diesel auffiel.

Ich habe ihn mir gekauft (unter anderem wegen den Chromtürgriffen und der Stoßstange mit den Nebelscheinwerfern, die ich jetzt am Formel E habe sowie wegen dem azurblauen Innenraum -> die Türpappe der hinteren linken Tür meines Formel E war beschädigt).

Aber aus organisatorischen Gründen konnte ich den Diesel (der aufgrund der Standzeit von etwa 1 1/2 Jahren im Freien sowie der obengenannten Schäden nicht fahrbereit war) erst nach 3 Wochen abholen.

Standort war der hessische Vorort Runkel (nähe Limburg an der Lahn). Zustand: Bremsleitung defekt (-> einmal auf die Bremse treten, die nicht einmal Widerstand leistet, und schon fließt die Bremsflüssigkeit ausm Schlauch auf den Boden), ziemlich runtergekommen und vermodert (Innenraum hat wohl über die Scheibenrahmen vorne Wasser gezogen, daher, genau wie im Kofferraum, Feuchtigkeit bzw. schon leichte Schimmelansätze und dementsprechend guter Duft).

Und der Kofferraum war schon zur Heimat einiger Schnecken und zu einer Durchgangsstraße einer Ameisenkolonie geworden. Dafür war er randvoll mit brauchbaren Ersatzteilen und auf der Rückbank war nochmal ne Ersatzteilkiste. Diese Ersatzteile waren zwar nicht Bestandteil der Auktion, aber ich erhielt sie im Tausch gegen einen zusätzlichen bunten Euroschein.

Außerdem war der Vorbesitzer wohl ein Mensch, der gerne bastelt. An allen möglichen Ecken wurde unprofessionell mit Lackstift rumgemalt, sämtliche Felgen (auch die Ersatzfelge) sowie die Frontspoilerlippen waren in silber nachgepinselt worden, der gesamte Unterboden wurde bis zum Schweller hoch mit schwarzer Rostschutzfarbe "eingeteert", darunter versteckt sich an einigen Stellen auch der Rost. Und der Kofferraum wurde durch das Anschrauben eines Zwischenfachs an der Hutablage sowie das Anbringen einiger Lederriemchen zum Befestigen von weiteren Utensilien malträtiert.

Zwischenzeitlich hatte ich auch ernsthaft darüber nachgedacht, ihn mir als Winterauto herzurichten, aber dafür wäre der finanzielle und zeitliche Aufwand viel zu groß. Also steht er erstmal auf unserem Stellplatz und wartet auf seine nächste Spendenaktion.


Nachtrag:

Der Diesel steht seit zwei Wochen bei einem örtlichen Ford-Autohaus und wird nach und nach ausgeschlachtet.

Ich habe seitdem zwei Schlachtaktionen unternommen. Vor zwei Wochen wurde der Kofferraum sowie der Innenraum geschlachtet und die Frontmaske, sprich Kühlergrill und Scheinwerfer abmontiert. Außerdem wurden die Stoßstangen und Zierleisten entfernt.

Heute (29.05.06) wurden die letzten verwertbaren Innenraumreste, Front- und Heckscheibe und die vorderen Kotflügel abgebaut. Beim Entfernen der Kotflügel hat es sich als richtig erwiesen, den Diesel als Schlacht- und nicht Restaurationsfahrzeug zu nehmen. Die Seitenträger, auf denen die Kotflügel geschraubt waren, sind sehr stark vom Rost befallen. Ich konnte ganze Metallreste mit der Hand abreißen. Und die Aufnahmen der A-Säulen (vom Schweller bis zum Scheibenrahmen) sind dermaßen durchgerostet, dass der Schraubenzieher, den ich reingestochen habe, steckengeblieben ist.

Die nächsten Tage werden die Türen, die Motorhaube und wahrscheinlich auch der Motor ausgebaut.

Doch dazu mehr, wenn es soweit ist.


Letzter Nachtrag:

Motor, Lenkung, Hauptbremszylinder, Pedalerie und ein paar weitere Kleinteile wurden ausgebaut. Den Motor hat ein T3-Bulli Fahrer aus Hannover bekommen. Das Getriebe wäre wahrscheinlich nicht mehr zu gebrauchen gewesen. Heute (am 15.06.2006) wurde die Restkarosserie von einem Bekannten abgeholt und wird dem Verwerter zugeführt.

Das war die Geschichte meines Schlacht-Diesels.


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